skip to Main Content
Referenz Intelligente Tarifmodelle
Durch intelligente Tarifmodelle können Stadtwerke und Netzbetreiber ihre Steuerungsmöglichkeiten in vielerlei Hinsicht erweitern
Der Schlu?ssel ist das Smart Meter-Gateway

Bei Mobilfunk- und Internetanbietern gehören differenzierte Tarife zu den wichtigsten Marketing- und Vertriebsinstrumenten:

Jeder Anbieter hat verschiedene Kostenmodelle fu?r unterschiedliche Nutzerprofile im Portfolio, damit jeder Kunde das fu?r seinen individuellen Bedarf gu?nstigste Angebot wählen kann. Einzelne Unternehmen bieten sogar die Möglichkeit, Leistungen ganz individuell zu konfigurieren. Damit liegen sie richtig, denn Individualität ist nach Stand der modernen Marketingforschung heute der Schlu?ssel zu Kundengewinnung und -bindung – weit mehr noch als der gu?nstigste Preis. Dass sich u?ber Tarife auch die Netzauslastung steuern lässt, war bei Telefonanbietern bereits vor der  Einfu?hrung des Mobilfunks bekannt: Telefonieren war damals in der „Schwachlastzeit“ nach 18 Uhr gu?nstiger. Deutsche Stadtwerke und Versorger stehen dagegen bei der Tarifierung noch am Anfang.

Zwar hat der Privatkunde vielerorts die Möglichkeit, zwischen konventionell erzeugtem und „Ökostrom“ zu wählen, doch zeit- und lastvariable Tarife sind nur in wenigen Ausnahmefällen verfu?gbar. So etwa bei den Allgäuer Überlandwerken, die schon seit u?ber drei Jahren zwei „smarte“ Tarife anbieten. Diese ermöglichen es den Kunden, ihren Verbrauch praktisch permanent zu kontrollieren und motivieren ihn, auf gu?nstigere Schwachlastzeiten auszuweichen. Die Stadtwerke Konstanz realisieren gemeinsam mit der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft ein sogenanntes Mieterstrommodell, u?ber das die Bewohner von gu?nstigem Strom aus KWK- und PV-Anlagen profitieren  und die regenerativ erzeugte Energie besser in das Netz integriert werden kann. In der Tat hat bereits ein zweistufiger Tarif Auswirkungen auf die Netzstabilität.

Bei Gewerbe- und Industriekunden mit größerem Stromverbrauch liegt das Potenzial fu?r tarifliche Anreize noch deutlich höher – zumal in diesem Segment bereits Steuerungssysteme existieren, u?ber die sich der Stromverbrauch auf Basis viertelstu?ndlicher Strompreissignale anpassen lässt.

Mess- und Kommunikationstechnik als Schlu?ssel

Dass derartige Konzepte bislang noch kaum zum Einsatz kommen, liegt in der aktuell eingesetzten Messtechnik begru?ndet, wie Ruwen Konzelmann, Key Account Manager des Gateway-Herstellers Theben, erläutert. „Im konventionellen Messwesen ist der Tarif an das Zählerwerk geknu?pft“, sagt Konzelmann. In der Praxis verfu?gt der Stromkunde also u?ber einen Zähler, an dem sein Verbrauch ausgelesen und auf Grundlage des vertraglich vereinbarten Tarifs abgerechnet wird. Im Fall des Betriebs einer Nachtspeicherheizung etwa kommt zusätzlich ein Zwei-Tarif-Zähler zum Einsatz, der zwischen dem Hoch- und Niedrigtarif differenziert. Baut sich der Kunde nun eine PV-Anlage auf sein Dach, benötigt er einen dritten Zähler und so weiter. Differenzierte Tarife sind damit praktisch nicht realisierbar.

Mit der Möglichkeit, Verbrauchsdaten digital zu erfassen, auszulesen und an den Versorger zu u?bertragen, werden diese Einschränkungen u?berwunden. „In diesem Fall liegt das abrechnungsrelevante Tarifregister nämlich im Gateway, das jeden Messwert auch automatisch mit einem Zeitstempel und einer Signatur versieht“, erläutert Konzelmann. Insgesamt neun konfigurierbare Tarifregister stehen in der aktuellen Version 2.0 des Gateways CONEXA von Theben zur Verfu?gung. Dort werden die Verbrauchsdaten im einfachsten Fall anhand von Zeitstempel und Signatur zugeordnet und können dann nach der vorgegebenen Tariflogik abgerechnet werden. „Aufgrund dessen ist auch in Verbindung mit Ein-Tarif-Zählern eine differenzierte Tarifierung möglich“, sagt Ruwen Konzelmann. Auch die Auslesung von RLM-Zählern ist möglich. Über M-Bus nach OMS (Open Metering System) lassen sich weitere Verbrauchszähler fu?r Strom, Gas, Wasser und Wärme einbeziehen. Zudem kann das Gateway EEG-Steuerboxen ansprechen, um Einspeisungen zeitgesteuert zu- oder abzuschalten und Energieströme bedarfsgerecht zu lenken. Außerdem eröffnet die Infrastruktur Stadtwerken und Versorgern die Möglichkeit, ihre Prognose-, Abrechnungs- und Bilanzierungsprozesse an den tatsächlichen Gegebenheiten auszurichten. Diese basieren heute immer noch vielfach auf Schätzungen, sogenannten Standardlast- und Standardeinspeiseprofilen.

CONEXA-SWU 2012 022

Eichrechtliche Voraussetzungen

Als eichrechtlich zuständige Behörde beschäftigt sich auch die Physikalisch-technische Bundesanstalt (PTB) bereits seit mehr als fu?nf Jahren mit den modernen Zählern und insbesondere den Gateways. In einer PTB-Studie aus dem Jahr 2011 werden die Möglichkeiten und Chancen von multi-tariffähigen Mess- und Kommunikationssystemen gewu?rdigt. Allerdings heißt es dort auch: „Der Verbraucher soll nicht nur Informationen u?ber gu?nstige Tarife erhalten und seinen Verbrauch entsprechend steuern können, er möchte auch Vertrauen in die Erstellung, die Korrektheit und die Zuverlässigkeit der Abrechnung der genutzten Energie aufbauen und konserviert wissen. Dieses Vertrauen wird aktuell durch eine eichrechtlich vorgeschriebene Überpru?fbarkeit von Abrechnungen gesichert. Diese trägt dafu?r Sorge, dass der Verbraucher in einfacher Weise oder mit einfachen Mitteln seine Abrechnung u?berpru?fen kann.“ (Smart Meter:  Vergleichende Studie zu Verbrauchsabrechnungsverfahren). Die innerstaatliche Bauartzulassung PTB 50.7-A bestätigt, dass ein Gerät dem gu?ltigen Eichrecht entspricht und die erfassten und u?bertragenen Daten fu?r Abrechnungszwecke eingesetzt werden können.

Diese Zulassung erhielt die CONEXA 2.0 bereits 2012. „Uns war damals schon klar: Die Zulassung des Gateways durch die PTB ist eine unabdingbare Voraussetzung, damit der Anwender u?berhaupt Tarifmodelle umsetzen kann”, erinnert sich Ruwen Konzelmann, der bereits seit 2009 die Entwicklung der intelligenten „Kommunikationspforte“ bei Theben begleitet. Um die eichrechtlichen Anforderungen zu erfu?llen, arbeitete das Haigerlocher Unternehmen damals eng mit dem Fachbereich Messtechnik der Stadtwerke Ulm zusammen. Unter der Kennzeichnung EA 50 werden in der dort angesiedelten Pru?fstelle Elektrizitätszähler und Zusatzeinrichtungen entsprechend den Anforderungen des Eichgesetzes und der Eichordnung gepru?ft und geeicht. „Fu?r uns war es wichtig, einen erfahrenen Partner mit guten Kontakten zur PTB zu haben, um mit unserem Produkt den hohen Anforderungen gerecht zu werden“, fu?hrt Konzelmann aus. So wurden wichtige Fragen der Zulassung gemeinsam direkt mit der Bundesanstalt in Braunschweig diskutiert. Nicht zuletzt ging es darum, fu?r das Gateway neue, marktgerechte Pru?fverfahren zu schaffen, die bei der technischen Bundesbehörde und den Landeseichämtern Zustimmung finden.

Im Ergebnis stand ein zweigeteiltes Konzept der auf Linux basierenden Gerätesoftware: Der eichpflichtige Softwarebereich der CONEXA ist „eingefroren“, also nach der Eichung nicht mehr zu verändern. Im Bereich der Applikationen und dem Verbindungsrouting dagegen sind Fernwartung und Updates möglich. Damit kann die CONEXA mit ku?nftigen Entwicklungen Schritt halten. Zwischenzeitlich ist bereits die dritte Generation auf dem Markt, und derzeit befindet man sich bei Theben in der Entwicklung und Zertifizierung BSI-konformer Smart-Meter-Gateways. „Die Erfahrung aus den ersten Entwicklungen ist dabei in die aktuellen Geräte und Systemkomponenten eingeflossen“, berichtet Ruwen Konzelmann. So wurde das Gerät um ein separates Steckmodul ergänzt, in dem sich modulare Schnittstellen fu?r spezifische vom Versorger gewu?nschte Anwendungen befinden – etwa fu?r die Anbindung von Gebäudesystemtechnik. Damit könne man auch mit dem BSI-Gateway eine gewisse Flexibilität bieten, ohne dass eine mehrfache Zertifizierung notwendig wu?rde.

Weitere Referenzen zum Thema:
CONEXA 2.0
Flexibles Messsystem zur Zähleranbindung
  • Optionale Anbindung von Lastgangzählern über RS485
  • Einfache Montage mit 3-Punktbefestigung im Zählerschrank oder Wandmontage
  • Plombierbares Gehäuse: 198 x 184 x 92 mm
  • Innerstaatliche Bauartzulassung PTB 50.7-A
Die wichtigsten Leistungsmerkmale
  • Unterstützung der Standard-Protokolle: SML, M-Bus (OMS), wM-Bus (OMS), VDEW 2.1, IEC 1107
  • Integriertes Anzeigedisplay u. a. für Verbrauchsdaten und Tarifinformationen
  • Software-Applikationen für Smart Home, Smart Metering und Smart Grid realisierbar
  • Übertragung der Messwerte vom Zähler zu CONEXA per wM-Bus, M-Bus, seriell über RS232/RS485
  • Übertragung der Daten an den Administrator durch XML (SOAP) Standard per Ethernet, UMTS oder GPRS
  • Erweiterbar über Standard-Schnittstellen (2x USB, Micro SD-Card, RJ45, RJ10)
  • Software-Updates durch Fernzugriff, für künftige Funktionen im Netz- und Energievertrieb, ebenso zur Anpassung künftiger Schnittstellen und Protokolle
  • Schutzart IP 51, Schutzklasse II
Back To Top